Heimkinder warten auf Entschädigung für ihr Martyrium !

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Moderator: Team

Enslavement = VERSKLAVUNG | Forced Labour = ZWANGSARBEIT

Beitragvon Ehemaliges Heimkind » 09.07.2018 00:30

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[ Zitiert wird aus einem Beitrag vom 29.05.2018, um 02:39 Uhr (weiter oben) ] :

Ehemaliges Heimkind hat geschrieben:.
Mehr spezifisch, bezüglich: Enslavement = VERSKLAVUNG | Forced Labour = ZWANGSARBEIT | Abuse = ABUSUS | Rape = VERGEWALTIGUNG | Use and Abuse of Psychopharmaceuticals = ANWENDUNG UND MISSBRAUCH VON PSYCHOPHARMAKA


QUELLE: CORRECTIV.ORG / CORRECTIV.RUHR - »Im Schatten der Colonia Dignidad« (24.05.2018) @ https://correctiv.org/blog/ruhr/artikel/2018/05/24/tater-und-opfer/

CORRECTIV.ORG / CORRECTIV.RUHR ausdrücklich erlaubt die uneingeschränkte Nutzung und Weiterverbreitung dieses Artikels und auch allen anderen von CORRECTIV veröffentlichten Artikel :

Vielfach, so wie hier von CORRECTIV.ORG / CORRECTIV.RUHR beschrieben, ging es zu in vielen Erziehungseinrichtungen in Westdeutschland – insbesondere in kirchlichen Kinderheimen und Erziehungsanstalten in Westdeutschland (ob evangelischen oder katholischen oder freikirchlichen --- „Fürsorgehöllen“ !) – in den späten 1940er Jahren, den 1950er Jahren, den 1960er Jahren, den 1970er Jahren und sogar noch in den 1980er Jahren !! :

[ ......... ]
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Mehr spezifisch, bezüglich: Enslavement = VERSKLAVUNG | Forced Labour = ZWANGSARBEIT | Abuse = ABUSUS | Rape = VERGEWALTIGUNG | Use and Abuse of Psychopharmaceuticals = ANWENDUNG UND MISSBRAUCH VON PSYCHOPHARMAKA

Spezifisch zu dem weiter oben in diesem Thread vor ein paar Tagen (zwischen dem 25. und 30. Juni 2018) behandelten Thema: »Im Schatten der Colonia Dignidad«

QUELLE: DER SPIEGEL @ http://www.spiegel.de/politik/deutschland/colonia-dignidad-deutschland-will-nichts-an-opfer-zahlen-a-1216118.html :

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SPIEGEL ONLINE

POLITIK

Sektensiedlung Colonia Dignidad

Deutschland will nichts an Opfer zahlen

Missbrauch, Folter, Morde - die deutsche Sektensiedlung Colonia Dignidad war ein Ort des Grauens. Der Bundestag beschloss, die Opfer zu unterstützen. Doch das nun präsentierte Ergebnis sorgt für Empörung.

Von Martin Knobbe [ Siehe @ http://www.spiegel.de/impressum/autor-21583.html : Deutschland-Ressort (Berliner Büro). Martin Knobbe. 1972 in München geboren, studierte Geschichte, Politik, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte. ]

[ FOTO: „Fotos von Vermissten an der Grenze des Sektengeländes“ ]

Montag, 02.07.2018, 12:04 Uhr
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BITTE DIESEN SPIEGEL-ARTIKEL IM ORIGINAL AUFRUFEN UND DORT LESEN: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/colonia-dignidad-deutschland-will-nichts-an-opfer-zahlen-a-1216118.html
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Bezüglich: Versklavung | Zwangsarbeit | Abusus | Vergewaltigung | Anwendung und Missbrauch von Psychopharmaka (d.h. Medikamentenversuche und Medikamentenmissbrauch)

Ihre Opfer zählt man in den Hundertausenden

Die Bundesrepublik Deutschland zahlt niemanden Entschädigung !!!!!! :

Entgültige behördliche Entscheidungen (ohne Hinzuziehung von Recht und Gesetz) sind gefallen:

2010/2011 - keine Entschädigung für ehemalige Heimkinder.

2017/2018 - keine Entschädigung für behinderte Heimkinder.

2017/2018 - keine Entschädigung für psychiatrisierte Heimkinder.

2017/2018 - keine Entschädigung für Medikamentenversuchsopfer in damaligen Heimen und Anstalten.

2017/2018 - keine Entschädigung für Medikamentenmissbrauchsopfer in damaligen Heimen und Anstalten.

2017/2018 - keine Entschädigung für Opfer der deutschen Sektensiedlung "Colonia Dignidad" („Kolonie der Würde“) in Chile.

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Not only must justice be done; it must also be seen to be done.
Recht muss nicht nur gesprochen werden, es muss auch wahrnehmbar sein, dass Recht gesprochen wird.
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Enslavement = VERSKLAVUNG | Forced Labour = ZWANGSARBEIT

Beitragvon Ehemaliges Heimkind » 10.07.2018 01:19

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RELEVANTER ABSTECHER

Auch Kindesentführung seitens der Nazis in den damals besetzten Gebieten wird nicht von der Bundesrepublik Deutschland entschädigt.

Drei Berichte zu ein und demselben Verwaltungsgerichtsurteil:

ERSTENS:

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Kostenlose Urteile @ https://www.kostenlose-urteile.de/VG-Koeln_8-K-220217_Von-der-SS-verschleppte-Kinder-haben-keinen-Anspruch-auf-Entschaedigung.news26119.htm :

Verwaltungsgericht Köln, Urteil vom 02.07.2018
- 8 K 2202/17 –


Von der SS verschleppte Kinder haben keinen Anspruch auf Entschädigung

Richtlinien über Härteleistungen an Opfer von NS-Unrechtsmaßnahmen sieht keine Entschädigung für zwangsweise "Germanisierung" vor

Das Verwaltungsgericht Köln hat entschieden, dass in der Zeit des Nationalsozialismus von der SS verschleppte Kinder keinen gerichtlich durchsetzbaren Anspruch auf Entschädigung haben.

Während der Zeit des Nationalsozialismus wurden in den im Zweiten Weltkrieg besetzten Gebieten (unter anderem auch Polen) Kinder ihren Eltern von der SS weggenommen. In den sogenannten "Lebensborn-Heimen" wurden die "geraubten Kinder" unter Verschleierung ihrer wahren Identität untergebracht und später in deutsche Familien vermittelt. Der Kläger des zugrunde liegenden Verfahrens wurde 1942 in Polen als Kind wegen seines "arischen" Aussehens von der SS verschleppt und über die Organisation "Lebensborn" einem reichsdeutschen Ehepaar vermittelt. Im November 2015 beantragte der Kläger eine einmalige Beihilfe nach den Richtlinien der Bundesregierung über Härteleistungen an Opfer von NS-Unrechtsmaßnahmen im Rahmen des Allgemeinen Kriegsfolgengesetzes (AKG-Härterichtlinien). Diese Richtlinie sieht vor, dass Leistungen erbracht werden können, wenn eine Person wegen ihres gesellschaftlichen oder persönlichen Verhaltens oder wegen besonderer persönlicher Eigenschaften (z.B. geistiger Behinderungen) vom NS-Regime angefeindet wurde. Den Antrag lehnte die beklagte Bundesrepublik u.a. mit der Begründung ab, dass der Kläger nicht wegen seines Verhaltens oder wegen besonderer Eigenschaften angefeindet worden sei.

VG verneint gerichtlich durchsetzbaren Anspruch auf Entschädigung

Das Verwaltungsgericht Köln stellte nunmehr fest, dass kein gerichtlich durchsetzbarer Anspruch auf Entschädigung bestehe. Es wies darauf hin, dass es die ablehnende Entscheidung nur sehr eingeschränkt, nämlich daraufhin überprüfen könne, ob die Behörde ihre Verwaltungspraxis gleichmäßig ausgeübt und die Richtlinie gleichmäßig angewandt habe. Dies sei der Fall gewesen, weil die Beklagte in keinem Fall Leistungen an "geraubte Kinder" erbracht habe. Es sei für das Gericht zwar nicht zweifelhaft, dass dem Kläger durch seine zwangsweise "Germanisierung" ganz erhebliches Unrecht angetan worden sei. Über die Feststellung einer Ungleichbehandlung hinaus sei es dem Gericht aber aus Rechtsgründen verwehrt, den Anwendungsbereich der Richtlinie zu Gunsten des Klägers zu erweitern.

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ZWEITENS:

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Justiz-ONLINE --- Die NRW Justiz im Internet @ http://www.vg-koeln.nrw.de/behoerde/presse/Pressemitteilungen/07_180702/index.php :

VERWALTINGSGERICHT KÖLN

Geraubte Kinder

2. Juli 2018

Das Verwaltungsgericht Köln hat mit heute den Beteiligten bekannt gegebenem Urteil entschieden, dass kein gerichtlich durchsetzbarer Anspruch auf Entschädigung des in der Zeit des Nationalsozialismus von der SS als Kind verschleppten Klägers besteht.

Während der Zeit des Nationalsozialismus wurden in den im Zweiten Weltkrieg besetzten Gebieten (unter anderem auch Polen) Kinder ihren Eltern von der SS weggenommen. In den sogenannten „Lebensborn-Heimen“ wurden die „geraubten Kinder“ unter Verschleierung ihrer wahren Identität untergebracht und später in deutsche Familien vermittelt. Der Kläger wurde 1942 in Polen als Kind wegen seines „arischen“ Aussehens von der SS verschleppt und über die Organisation „Lebensborn“ einem reichsdeutschen Ehepaar vermittelt. Im November 2015 beantragte der Kläger eine einmalige Beihilfe nach den Richtlinien der Bundesregierung über Härteleistungen an Opfer von NS-Unrechtsmaßnahmen im Rahmen des Allgemeinen Kriegsfolgengesetzes (AKG-Härterichtlinien). Diese Richtlinie sieht vor, dass Leistungen erbracht werden können, wenn eine Person wegen ihres gesellschaftlichen oder persönlichen Verhaltens oder wegen besonderer persönlicher Eigenschaften (z.B. geistiger Behinderungen) vom NS-Regime angefeindet wurde. Den Antrag lehnte die beklagte Bundesrepublik u.a. mit der Begründung ab, der Kläger sei nicht wegen seines Verhaltens oder wegen besonderer Eigenschaften angefeindet worden.

Das Gericht stellte nunmehr fest, dass kein gerichtlich durchsetzbarer Anspruch auf Entschädigung bestehe. Es wies darauf hin, dass es die ablehnende Entscheidung nur sehr eingeschränkt, nämlich daraufhin überprüfen könne, ob die Behörde ihre Verwaltungspraxis gleichmäßig ausgeübt und die Richtlinie gleichmäßig angewandt habe. Dies sei der Fall gewesen, weil die Beklagte in keinem Fall Leistungen an „geraubte Kinder“ erbracht habe. Es sei für das Gericht zwar nicht zweifelhaft, dass dem Kläger durch seine zwangsweise „Germanisierung“ ganz erhebliches Unrecht angetan worden sei. Über die Feststellung einer Ungleichbehandlung hinaus sei es dem Gericht aber aus Rechtsgründen verwehrt, den Anwendungsbereich der Richtlinie zu Gunsten des Klägers zu erweitern.

Gegen das Urteil kann Berufung eingelegt werden, über die das Oberverwaltungsgericht in Münster entscheidet.

Az.: 8 K 2202/17

Für Rückfragen:
Stefanie Seifert
0221 2066-252

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DRITTENS:

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MSN-NACHRICHTEN --- RP-ONLINE --- RP Digital GmbH, Düsseldorf @ https://www.msn.com/de-de/nachrichten/panorama/von-ss-geraubte-kinder-haben-kein-anrecht-auf-entsch%C3%A4digung/ar-AAzuDvQ :

Von SS geraubte Kinder haben kein Anrecht auf Entschädigung

Zwar sei ihm schweres Unrecht angetan worden, doch nach einem Urteil des Kölner Verwaltungsgerichts steht einem als Kind von der SS verschleppten Kläger keine Entschädigung der Bundesregierung zu.

Dem Kläger sei durch seine zwangsweise „Germanisierung“ zwar ganz erhebliches Unrecht angetan worden, erklärte das Gericht am Montag in Köln. Da die zuständige Behörde aber in keinem Fall Leistungen an „geraubte Kinder“ erbracht habe, könne das Gericht den Anwendungsbereich der Richtlinie nicht zugunsten des Klägers erweitern. (AZ: 8 K 2202/17)

Die Bundesrepublik zahlt Opfern von NS-Unrechtsmaßnahmen im Rahmen des Allgemeinen Kriegsfolgengesetzes Beihilfen. Diese Richtlinie sieht dann mögliche Leistungen vor, wenn jemand wegen eines gesellschaftlichen oder persönlichen Verhaltens oder wegen besonderer persönlicher Eigenschaften wie etwa geistigen Behinderungen vom NS-Regime angefeindet wurde.

„Lebensborn“ vermittelte Kinder an reichsdeutsche Eltern

Im konkreten Fall hatte ein Mann im November 2015 eine einmalige Beihilfe beantragt, weil er 1942 in Polen als Kind wegen seines „arischen“ Aussehens von der SS verschleppt worden war, wie das Gericht erklärte.
In der NS-Zeit wurden Kinder ihren Eltern weggenommen und unter Verschleierung ihrer wahren Identität in sogenannten Lebensborn-Heimen untergebracht und später in deutsche Familien vermittelt. Die Organisation Lebensborn vermittelte den Kläger den Angaben zufolge einem reichsdeutschen Ehepaar.

Die Bundesrepublik lehnte den Antrag mit der Begründung ab, der Kläger sei nicht wegen seines Verhaltens oder wegen besonderer Eigenschaften angefeindet worden. Das Gericht stellte zwar eine Ungleichbehandlung fest. Ein gerichtlich durchsetzbarer Anspruch auf Entschädigung besteht nach Auffassung des Gerichts nicht, da die Bundesrepublik ihre Verwaltungspraxis gleichmäßig ausgeübt und die Richtlinie gleichmäßig angewandt habe. Gegen das Urteil kann noch Berufung beim Oberverwaltungsgericht eingelegt werden.

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Medikamententests an Heimkindern in WESTDEUTSCHLAND.

Beitragvon Ehemaliges Heimkind » 14.07.2018 05:19

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Jetzt hier in Bezug auf das Bundesland Niedersachsen insbesondere was das niedersächsische Rotenburg an der Wümme betrifft: die „Rotenburger Anstalten“ (seit 2006 „Rotenburger Werke“ genannt), zwischen Hamburg und Bremen in Niedersachsen gelegen; „christliches Menschenbild“; „im Verbund der Diakonie“.

QUELLE: https://web.de/magazine/panorama/gewalt-medizintests-behinderte-kinder-heimen-erlebten-33066540 (dpa) :

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Gewalt und Medizintests: Was behinderte Kinder in Heimen erlebten

Aktualisiert am 12. Juli 2018, 14:39 Uhr

Sie wurden geschlagen, mit Medikamenten ruhig gestellt und für Tests missbraucht. Allmählich wird bekannt, was Kinder in Behindertenheimen der Nachkriegszeit erlebten. In Niedersachsen wurden Minderjährige am Gehirn operiert - mit fatalen Folgen.

Klaus Brünjes teilt ein Schicksal mit Zehntausenden Menschen in Deutschland. Als Kind und Jugendlicher erlebte er einen Alltag, der geprägt war von Fremdbestimmung, Medikamenten und Gewalt.

"Man musste sich unterordnen", sagt der heute 60-Jährige über sein Leben in einer Einrichtung für Behinderte. "Freiheit und Selbstbestimmung gab es nicht, sondern Unterwerfung. Wer rumgetobt hat, hat Medikamente bekommen, oder er ist abgeholt worden und war dann in der Zelle." Die Kinder, die nicht sprechen konnten, habe es besonders hart getroffen.

Was Brünjes im niedersächsischen Rotenburg an der Wümme erlebte, war kein Einzelfall. Das Bundessozialministerium geht von knapp 100.000 noch lebenden Frauen und Männern aus, die nach 1949 als Kinder und Jugendliche in stationären Einrichtungen der Behindertenhilfe oder Psychiatrie wahrscheinlich Leid und Unrecht erfahren haben.

Nach und nach kommt ans Licht, was viele behinderte oder als auffällig eingestufte Menschen in der Nachkriegszeit erleben mussten. Sie wurden geschlagen, ruhig gestellt und für Medizintests missbraucht.


Psychopharmaka und Beruhigungsmittel

Die kirchliche Einrichtung in Rotenburg arbeitet ihre dunkle Vergangenheit mit Hilfe von zwei Wissenschaftlerinnen und zwei Historikern auf. Nach deren jüngst veröffentlichtem Buch "Hinter dem Grünen Tor. Die Rotenburger Anstalten der Inneren Mission, 1945-1975" bekamen unruhige Kinder und Jugendliche hohe Dosen an Psychopharmaka und Beruhigungsmitteln.

Die Pharmazeutin Sylvia Wagner aus Krefeld fand zudem Belege dafür, dass nicht zugelassene Medikamente an Minderjährigen getestet wurden, etwa um Bettnässen zu verhindern oder den Sexualtrieb männlicher Bewohner zu unterdrücken.

Besonders schockiert war sie, als sie in Akten las, dass in Rotenburg mehrere auffällige Jugendliche am Gehirn operiert wurden. "Was man mit den Medikamenten nicht schaffte, sollte die Operation schaffen. Dadurch wurden Teile des Gehirns unwiderruflich zerstört", berichtet sie.

Ihren Recherchen zufolge waren manche Kinder der Einrichtung wahrscheinlich nicht behindert. "Sie kamen zum Teil als Säuglinge ins Heim. Bei adäquater Fürsorge hätten einige ein normales und erfülltes Leben führen können", sagt Wagner, die sich mit Arzneimittelstudien an Heimkindern in der Bundesrepublik 1949 bis 1975 beschäftigt.


Aufarbeitung steht noch am Anfang

Medikamente wurden ihr zufolge vielerorts eingesetzt, um die Alltagsroutinen nicht zu gefährden. "Es wurden Präparate in hohem Maß gegeben", sagt sie und berichtet von Dosierungen, die zehn Mal so hoch waren wie die empfohlene Menge.

Der frühere Patient Brünjes erinnert sich an viele Situationen, in denen Kinder Medikamente bekamen. "Manche waren dann ganz gefügig", sagt er. "Ich habe wenig Medikamente bekommen und war auch nie in der Zelle. Ich habe versucht, mich ganz stark anzupassen." Dass Ärzte Präparate an Kindern und Jugendlichen testeten, erfuhr Brünjes erst später.

Der Historiker Hans-Walter Schmuhl bezeichnet es als beschämend, dass es so lange gedauert hat, bis Menschen mit Behinderung als Opfer anerkannt wurden. Ihm zufolge steht die Aufarbeitung bundesweit noch am Anfang. "Es hat erst einzelne Einrichtungen gegeben, die sich mit ihrer Vergangenheit beschäftigt haben", sagt der außerplanmäßige Professor der Universität Bielefeld.

Um den Alltag in den Rotenburger Anstalten zu rekonstruieren, führte er Interviews mit damaligen Bewohnerinnen, Bewohnern und Angestellten. "Es ging darum, eine große Zahl von Menschen mit sehr begrenzten Mitteln gegen ihren Willen festzuhalten", sagt er. "Es gab ausgeklügelte Strafrituale."


Viele leiden bis heute an psychische Störungen

Nach Schmuhls Recherchen schlugen Angestellte Patienten auch mit Werkzeugen, Bewohner wurden fixiert und eingesperrt. "Das Personal war in einer ständigen Überforderungssituation", sagt der Historiker. "Viele leiden bis heute an Nachwirkungen, aber viele haben sich auch mit bewundernswerter Zähigkeit ein eigenes Leben erarbeitet", sagt er über die Opfer.

Als typische Folgen des Unrechts nennt er Angst- und Essstörungen. "Viele haben Probleme, Beziehungen zu anderen Menschen aufzubauen."

Brünjes, der als Kind an Kinderlähmung erkrankte und bis zum achten Lebensjahr nur kriechen konnte, erinnert sich: "Manche wurden so verprügelt, dass sie nicht mehr richtig sitzen konnten."

Trotz des erlittenen Unrechts hat er Verständnis für das damalige Personal. "Auch die Mitarbeiter haben Not gehabt. Es gab viele, die mehr Liebe geben wollten, als sie konnten."

Das Personal sei überfordert gewesen mit den vielen Menschen, die sie in den Griff kriegen sollten. "Sie bekamen Druck von oben. Das haben wir gespürt." Als die Einrichtung in den 1970er Jahren mit Beschäftigungstherapie anfing, seien viele Menschen auch ohne Medikamente ruhiger geworden.

Die Veränderungen im Umgang mit beeinträchtigten Menschen brachten auch für Brünjes, der mit Beinschienen selbstständig gehen kann, eine Zeitenwende.

Als Erwachsener wurde er vom Patient zu einem Gruppenleiter der Einrichtung, die nun Rotenburger Werke heißt. Er lernte lesen und schreiben und machte den Hauptschulabschluss.

Als Kind war ihm Unterricht verweigert worden, im Heim war er zeitweise auf der Station der geistig Behinderten untergebracht.


Finanzielle Entschädigung für Opfer

"Ich bedaure das Unrecht zutiefst", sagt die Geschäftsführerin der Rotenburger Werke, Jutta Wendland-Park, über die dunkle Vergangenheit in einer der größten niedersächsischen Heil- und Pflegeeinrichtungen. "Dennoch bin ich froh, dass die betroffenen Menschen durch die Aufarbeitung eine Stimme bekommen haben. Lange Zeit schenkte man ihren Berichten keinen Glauben."

Das Bundessozialministerium, Bundesländer und Kirchen wollen die Vergangenheit aufarbeiten und Betroffenen helfen. Im vergangenen Jahr startete die Stiftung Anerkennung und Hilfe - bis Ende 2019 können sich Leidtragende in Beratungsstellen melden und Unterstützung beantragen.

Berechtigt sind Frauen und Männer, die als Kinder oder Jugendliche nach 1949 Unrecht in stationären Einrichtungen der Behindertenhilfe oder Psychiatrie erfahren haben.

Neben einer Anerkennung des Erlebten können Betroffene, die heute noch unter Folgen leiden, 9.000 Euro zur selbstbestimmten Verwendung erhalten.

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ZWEI WEITERE QUELLEN FÜR DIESEN ARTIKEL: https://www.weser-kurier.de/region/niedersachsen_artikel,-gewalt-und-medizintests-was-behinderte-kinder-in-heimen-erlebten-_arid,1748084.html (dpa) und auch https://www.gmx.at/magazine/panorama/gewalt-medizintests-behinderte-kinder-heimen-erlebten-33066540 (dpa)
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Recht muss nicht nur gesprochen werden, es muss auch wahrnehmbar sein, dass Recht gesprochen wird.
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