70-Minuten langer Dokumentarfilm: kirchliche Heimerziehung

Alles rung um die Themen Heim- und Jugendarbeit

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70-Minuten langer Dokumentarfilm: kirchliche Heimerziehung

Beitragvon Ehemaliges Heimkind » 24.06.2018 08:02

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und wer einer öffentlichen Vorführung dieses Films wann und unter welchen Umständen beiwohnen darf. :


FR - Frankfurter Rundschau, DONNERSTAG, 21. JUNI 2018

QUELLE: http://www.fr.de/frankfurt/hessen-ex-heimkinder-sollen-draussen-bleiben-a-1529089 :

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Hessen

Ex-Heimkinder sollen draußen bleiben

Die evangelische Kirche in Frankfurt will einen Dokumentarfilm über die Schicksale von Heimkindern in der Nachkriegszeit zeigen. Doch die Betroffenen lädt sie dazu nicht ein. Die wollen sich das nicht gefallen lassen.

21.06.2018 11:08 Uhr

Von Peter Hanack

[ HISTORISCHES FOTO: Blick auf die Hephata-Einrichtung im nordhessischen Treysa. Foto: imago ]

Am nächsten Montag [ 25. Juni 2018 ] stellt die evangelische Kirche in Frankfurt einen Dokumentarfilm über die Schicksale von Heimkindern in der Nachkriegszeit vor. Eingeladen sind die Vertreter der Medien. Die Betroffenen selbst aber nicht – und die sind damit mehr als unzufrieden. Zumindest einige von ihnen wollen nun auch ohne Einladung zur Filmvorstellung kommen.

„Wir werden alles daransetzen, dass wir da reinkönnen“, sagt Heinz Schreyer, der selbst seine gesamte Kindheit und Jugend in Heimen verbracht hat. „Wir wollen selbst reden und berichten, wie es uns ergangen ist“, fordert er. Der Film allein genüge nicht, um zu verstehen, was damals geschehen sei.

Gezeigt wird der FilmKopf Herz Tisch 3der Wiesbadener Filmemacherin Sonja Toepfer, die diesen im Auftrag der
Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) produziert hat. Sie konzentriert sich in der 70 Minuten langen Dokumentation auf die Rolle der Medizin in evangelischen Einrichtungen. Erschreckend sind vor allem die Schilderungen der medizinischen Versuche, wie es sie in der Hephata-Einrichtung im nordhessischen Treysa gegeben hat [ Siehe @ http://www.fr.de/rhein-main/menschenversuche-in-hessen-als-juergens-kopf-erforscht-wurde-a-1446507. Diese gehört zwar nicht zum Gebiet der EKHN, für deren Bereich der Film einen Beitrag zur Aufarbeitung leisten sollte, sondern zur benachbarten Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck. Im Film nimmt Hephata aber dennoch einen großen Raum ein.

Auch Regisseurin Toepfer hatte sich dafür eingesetzt, dass bei der Pressevorführung in den Räumen der Evangelischen Akademie am Frankfurter Römerberg Betroffene zu Wort kommen können. „Ich kann dort nicht alleine Rede und Antwort stehen“, sagte sie der Frankfurter Rundschau. Tatsächlich soll nun der Psychotherapeut Hans von Lüpke anwesend sein, der in dem Film als einer der Protagonisten auftritt. Ansonsten sollen Vertreter der
EKHN die Fragen der Journalisten beantworten.

„Die Betroffenen kommen ja im Film zu Wort“, sagt dazu
EKHN-Sprecher Volker Rahn. Die Pressevorführung sei – allein schon aus Zeitgründen – nicht als Podiumsdiskussion geplant, sondern diene vor allem der Vorstellung des Films.

Rahn verweist darauf, dass die Kirche noch zwei weitere Veranstaltungen in diesem Zusammenhang anbiete. So kommen bereits am heutigen Donnerstag [ 21. Juni 2018 ] sowie am Freitag [ 22. Juni 2018 ] auf Einladung der
EKHN rund 25 ehemalige Heimkinder in der evangelischen Bildungsstätte Arnoldshain bei Schmitten im Taunus zusammen, um den Film zu sehen und darüber zu reden. „Dort nehmen unter anderem auch Mitglieder der Kirchenleitung teil“, sagt Rahn. Am [ Donnerstag ] 3. Juli [2018] gebe es in Darmstadt eine weitere Filmvorführung für Vertreter von Betroffenenverbänden sowie ehemalige Heimkinder, die nicht nach Arnoldshain kommen könnten.

[
Die Evangelische Kirche in Deutschland ] Die Kirche versteht das Filmprojekt als Abschluss der Aufarbeitung der Geschichte der evangelischen Heime, die vor sechs Jahren begonnen hatte. Der Film solle dazu dienen, Pflegende und Erziehende dafür zu sensibilisieren, die Würde der Menschen zu achten, die ihnen anvertraut worden seien, sagt Rahn. Dies sei in der Vergangenheit offenbar in großer Zahl missachtet worden. Interessierte Einrichtungen könnten den Videofilm für zehn Euro auf DVD erwerben.

Thomas Hasper,
der als Jugendlicher in Hephata war und dort Schreckliches erlebte [ Siehe @ http://www.fr.de/rhein-main/hephata-in-treysa-jeder-wurde-mit-diesem-zeug-abgefuellt-a-1449687 ], genügt das nicht. Die Filmpräsentation ohne Anwesenheit von Betroffenen hält er für „absurd“. Es dürften nicht nur die Vertreter der Kirche das Wort führen, sagt er. „Wir als Betroffene fühlen uns bei so einem Vorgehen missachtet und schutzlos.“



Zur Sache

Aufarbeitung

Im Dezember 2006 gab es im Deutschen Bundestag eine Anhörung ehemaliger Heimkinder. Sie berichteten von den schlimmen Verhältnissen in den Heimen der Nachkriegszeit.

2009 lud der hessische Landtag 50 Heimkinder zur Anhörung ein. Es folgte eine Entschuldigung des Landtags für das Leid. 2013 brachte die
EKHN ihre Aufarbeitung auf den Weg.

Die
EKHN betrieb in Hessen nach dem Krieg mindestens 43 Heime. pgh


Peter Hanack

Redakteur, Frankfurt & Rhein-Main
Zum Profil des Autors [ @ http://www.fr.de/autor.=pgh/ ]

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Beschlagwortet mit TAG/LABELS: Frankfurter Rundschau, Peter Hanack, Hessen, eavangelische Kirche, Kirche in Frankfurt, Heimkinder, Heimerziehung, ehemalige Heimkinder, ex-Heimkinder, draußen bleiben, Dokumentarfilm, kirchliche Heimerziehung öffentlichen Vorführung, beiwohnen darf, Dokumentation, Schicksale von Heimkindern, Nachkriegszeit, Betroffenen, nicht gefallen lassen, Hephata, Hephata-Einrichtung, nordhessischen Treysa, Vertreter der Medien, unzufrieden, ohne Einladung, Filmvorstellung, Heinz Schreyer, Kindheit, Jugend, Heimen, reden und berichten, ergangen ist, Film, Kopf Herz Tisch 3, was damals geschehen, Wiesbadener Filmemacherin, Sonja Toepfer, Evangelischen Kirche, Kirche in Hessen, Hessen und Nassau, EKHN, evangelischen Einrichtungen, erschreckend, Schilderungen, medizinischen Versuche, Gebiet der EKHN, Beitrag zur Aufarbeitung, Aufarbeitung, Kurhessen-Waldeck, Regisseurin Toepfer, Pressevorführung, Evangelischen Akademie, Frankfurter Römerberg, Betroffene zu Wort, kommen können, Rede und Antwort stehen, Psychotherapeut, Hans von Lüpke, einer der Protagonisten, Vertreter der EKHN, Fragen der Journalisten, Betroffenen, EKHN-Sprecher, Volker Rahn, Podiumsdiskussion, Vorstellung des Films, Bildungsstätte Arnoldshain, Mitglieder der Kirchenleitung, Vertreter von Betroffenenverbänden, Betroffenenverbände, Kirche in Deutschland, Filmprojekt, Abschluss der Aufarbeitung, Geschichte, evangelischen Heime, Pflegende, Erziehende, sensibilisieren, Würde der Menschen, achten, ihnen anvertraut worden, Vergangenheit, missachtet, missachtet worden, Videofilm für zehn Euro, auf DVD erwerben, Thomas Hasper, Jugendlicher in Hephata, Schreckliches erlebte, Filmpräsentation, Anwesenheit von Betroffenen, Vertreter der Kirche, das Wort führen, missachtet und schutzlos, schlimmen Verhältnissen, Heimen der Nachkriegszeit, hessische Landtag, Heimkinder zur Anhörung, Entschuldigung, Entschuldigung des Landtags,
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Not only must justice be done; it must also be seen to be done.
Recht muss nicht nur gesprochen werden, es muss auch wahrnehmbar sein, dass Recht gesprochen wird.
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70-Minuten langer Dokumentarfilm: kirchliche Heimerziehung

Beitragvon Ehemaliges Heimkind » 02.07.2018 10:01

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hessenschau.de - Hessischer Rundfunk - Anstalt des öffentlichen Rechts - ARD

QUELLE: https://www.hessenschau.de/gesellschaft/wie-kinder-im-evangelischen-heim-misshandelt-wurden-,heimkinder-102.html

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Aufarbeitung in Dokumentarfilm

Wie Kinder im evangelischen Heim misshandelt wurden

FILMVORFÜHRUNG

Bisher lief der Dokumentarfilm "Kopf Herz Tisch 3" über den Missbrauch im Kinderheim der Hephata in Treysa zweimal: einmal für Betroffene, einmal für Journalisten. Die EKHN will den Film in Zukunft häufiger vorführen, zum Beispiel angehenden Erziehern in der Ausbildung. Außerdem will sie Kopien davon verkaufen. Der Erlös soll den ehemaligen Heimkindern zugute kommen.
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Aufarbeitung in Dokumentarfilm

Wie Kinder im evangelischen Heim misshandelt wurden

Veröffentlicht am 26.06.2018 um 12:02 Uhr

[ FOTO (DOPPELBILD): „Thomas Hasper musste als Kind im Heim jeden Tag Tabletten schlucken. Bild © hessenschau.de/Thomas Hasper (Collage: hessenschau.de)]

Medikamente, damit die Kinder still halten. Medizinische Versuche, die tagelang Kopfweh verursachen. Das war auch in manchen evangelischen Kinderheimen in Hessen üblich. In einer Film-Dokumentation kommen Betroffene zu Wort.

Von Pascal Lasserre (hr-iNFO)

Audio 02:59 Min.

Erlebnisse eines Heimkinds: "Das grenzt an Folter"
[ Siehe Audio-Seite @ https://www.hessenschau.de/gesellschaft/erlebnisse-eines-heimkinds-das-grenzt-an-folter,audio-12928~_story-heimkinder-102.html ]

Pascal Lasserre | 26.06.2018

Thomas Hasper wirkt gefasst, wenn er von seiner Kindheit erzählt. Man sieht es dem heute 64-Jährigen nicht an, aber er hat als Kind viel Gewalt erfahren. Er lebte in mehreren Kinderheimen, unter anderem auch im Hephata Diakoniezentrum im nordhessischen Treysa, heute ein Stadtteil von Schwalmstadt (Schwalm-Eder-Kreis).

Thomas Hasper berichtet, wie er dort regelmäßig einen Mix aus verschiedenen Medikamenten verabreicht bekam: "Das war eine kleine gelbe Tablette, und die bekam ich nach dem Mittagessen." Die Tablette habe schnell gewirkt. Zwei, drei Minuten, dann sei er nicht mehr erreichbar gewesen. Aber als das Heimpersonal ihn wenig später geweckt habe, um spazieren zu gehen, sei das sehr schmerzhaft gewesen.


Dem Missbrauch folgte meist Schweigen

"Wenn man das täglich erlebt, dann grenzt das für mich an Folter", sagt Hasper in dem Dokumentarfilm, den Regisseurin Sonja Töpfer über die skandalösen Zustände in dem Heim in der Nachkriegszeit gedreht hat. Den Film hat die Evangelische Kirche Hessen Nassau (EKHN) nun in Frankfurt vorgeführt.

Thomas Hasper galt als schwieriges Kind. Nicht zugänglich und verhaltensauffällig sei er gewesen. So steht es zumindest in den Akten, die ihm heute vorliegen. Im Film erfährt man: Kinder wie er galten in Heimen wie dem in Treysa als nicht therapierbar. Entsprechend kalt und lieblos wurden die Kinder behandelt.


[ FOTO: „Thomas Hasper, ehemaliger Bewohner eines evangelischen Kinderheims in Treysa, wo Missbrauch stattfand. Bild © Filmstill Sonja Töpfer]

Auch 50 bis 60 Jahre danach fällt es vielen ehemaligen Heimkindern schwer, darüber zu sprechen. Das berichtet Annette Neff von der evangelischen Kirche: "Die Stigmatisierung, die sie empfunden haben, hat viele der Betroffenen zu schweigenden Menschen gemacht." Durch das oft jahrzehntelange Schweigen hätten sich die Erlebnisse im Heim oft tief vergraben.

EKHN ließ Filmemacherin freie Hand

Annette Neff hat im Auftrag der EKHN erforscht, wie es in evangelischen Kinderheimen bis in die 1970er Jahre hinein zuging. Sechs Jahre lang ließ die Kirche die Geschichte ihrer Kinderheime aufarbeiten. Der Film ist Teil dieses Prozesses. In ihm geht es um die Rolle der Medizin in den Heimen.

Filmemacherin Töpfer zeigt sich erfreut, dass die Kirche ihr völlig freie Hand bei ihrer Dokumentation ließ: "Das war wirklich, wovon man träumt. Ich habe keine Einschränkungen bekommen."


Video 04:41 Min.

Wenn das Kinderheim zur Versuchsanstalt wird
[ Siehe Video-Seite @ https://www.hr-fernsehen.de/sendungen-a-z/maintower/sendungen/video-60324~_story-heimkinder-102.html ]


maintower | 23.04.18, 18:00 Uhr

Dafür musste sie aber auch alles selbst recherchieren. Und das war mitunter gar nicht so einfach. Viele ehemalige Heimkinder wollen bis heute nicht über das Erlebte sprechen. Zu schwer wiegt der Missbrauch. Doch Töpfer hatte Glück: Sie traf zwei frühere Bewohner, die bereit waren, vor ihrer Kamera zu sprechen.

Thema auch in anderen Bereichen der Pflege

Schwieriger gestaltete sich die Suche nach Experten, wie die Filmemacherin erzählt. Die meisten Psychiater, die sie angefragt habe, hätten abgelehnt. Am Ende fand Töpfer doch noch renommierte Ärzte, die die Methoden von damals einordneten. Und sie fand Beschäftigte in den betroffenen Kinderheimen, die ihre Sicht auf die Zustände damals schildern.

Bei der EKHN leitet Petra Knözele eine Projektgruppe, die sich um die Aufklärung der Vorfälle damals kümmert. Das Thema sei auch heute noch von Bedeutung, sagt sie: "Wie gehen wir mit Menschen um, die in Abhängigkeit zu anderen stehen?" Diese Frage stelle sich heute auch in der Altenpflege.


Thomas Hasper schrieb in einem Blog über die Erlebnisse

Auch Filmemacherin Töpfer findet, dass man von damals viel lernen könne. Heutzutage verschreibe man zum Beispiel offenbar verhaltensauffälligen Kindern viel zu schnell Medikamente.

Das ehemalige Heimkind Thomas Hasper hat sich inzwischen viel mit seiner eigenen Kindheit und Jugend beschäftigt - auch schon vor den Dreharbeiten zum Film. Er schrieb auch in einem
Internetblog darüber [ Siehe @ http://www.hephata-ehemalige.de/ ]. Das sei befreiend gewesen, sagt er: "Ich habe genau das Gegenteil davon getan, was andere machen, die sich völlig abkapseln."


Quelle: hessenschau.de/loi
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Beitragvon Ehemaliges Heimkind » 03.07.2018 05:34

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FR - Frankfurter Rundschau, DONNERSTAG, 26. JUNI 2018

QUELLE: http://www.fr.de/rhein-main/heimkinder-eingesperrt-und-ruhig-gestellt-a-1532513

Jetzt hier in Bezug auf das Bundesland Hessen und insbesondere in Bezug auf Heime auf dem Gebiet der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau.

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Heimkinder

Eingesperrt und ruhig gestellt

Ein Film im Auftrag der evangelischen Kirche zeigt das Schicksal von Heimkindern. Bei der Premiere sind auch Betroffene dabei. Sie machen einen Vorschlag.

Donnerstag, 26. Juni 2018, 14:59 Uhr

Von Peter Hanack
[ Zum Profil des Autors @ http://www.fr.de/autor.=pgh/ ]

[ FOTO: „Kinder und Jugendliche, die in der Nachkriegszeit in einem Heim leben mussten, erlebten dort oft Schreckliches.“ Foto: Andreas Arnold]

Sie wurden geschlagen, eingesperrt, sexuell missbraucht, mit Medikamenten ruhig gestellt: Kinder und Jugendliche, die in der Nachkriegszeit in einem Heim leben mussten, erlebten dort oft Schreckliches. Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) hat am Montag einen Film vorgestellt, der in ihrem Auftrag entstand und das Schicksal dieser Heimkinder in evangelischen Einrichtungen beschreibt.

„Nach dem Essen gab es eine kleine gelbe Tablette, Megaphen hieß das Medikament, das war der Hammer“, erzählt darin Thomas Hasper, der als Jugendlicher im nordhessischen Hephata war. „Man war nach wenigen Minuten wie betäubt, und wenn man dann geweckt wurde, war das äußerst schmerzhaft.“ Und das geschah häufig. „Folter“, nennt Hasper, Jahrgang 1954, das heute.

Auch Heinz Schreyer, der seine Kindheit und Jugend in Heimen verbrachte, kommt in dem Film der Wiesbadener Regisseurin Sonja Toepfer zu Wort. „Ein Erzieher, der sich von mir gestört fühlte, schlug mir so hart auf das Ohr, dass der Schmerz bis in die Beine zog“, erinnert er sich. „Er wollte sehen, wie ich vom Stuhl falle und weine“, ist er sicher. Aber Schreyer, noch ein Kind, sah seinem Peiniger in die Augen und verzog keine Miene. „So habe ich ihm meine Stärke gezeigt.“


Suche nach Anerkennung

Schreyer und Hasper saßen bei der Filmpremiere in der Evangelischen Akademie am Frankfurter Römerberg bei der anschließenden Pressekonferenz auf dem Podium und beantworteten Fragen der Journalisten. Selbstverständlich war das nicht. Erst der massive Protest von Ex-Heimkindern (die FR berichtete am Donnerstag) hatte deren Teilnahme ermöglicht. „Es war ein Versäumnis, die Betroffenen nicht einzuladen“, räumte EKHN-Sprecher Volker Rahn ein. Bei der Veranstaltung selbst war von der Empörung im Vorfeld allerdings nichts mehr zu spüren.

„Kinder und Jugendliche waren einem totalen System ausgeliefert, und wir müssen uns fragen, was war unser Anteil daran und was wir tun müssen, damit uns anvertraute Menschen nie mehr so unwürdig behandelt werden“ sagte Anette Neff, Historikerin der EKHN. Immer wieder wendeten sich Menschen an sie, die in einem Heim untergebracht waren. Häufig gehe es darum, überhaupt erst einmal zu erfahren, wo man als Kind damals war. „Ich rechne damit, dass sich nach Veröffentlichung des Films noch mehr Menschen an uns wenden.“

„Ganz häufig“, berichtete Petra Knötzele, Leiterin des EKHN-Aufarbeitungsprojekts, „geht es bei den Gesprächen darum, dass das System der damaligen Heime als Unrechtssystem anerkannt wird.“ Lange hatten die Betroffenen auf eine solche Anerkennung warten müssen. Erst im Jahr 2006 gab es im Deutschen Bundestag eine Anhörung ehemaliger Heimkinder. Sie berichteten dort von den schlimmen Verhältnissen in den Heimen der Nachkriegszeit. Die EKHN, auf deren Gebiet es Neffs Recherchen zufolge 52 Heime in evangelischer Trägerschaft gab, brachte 2013 brachte die Aufarbeitung auf den Weg.

Der Film, zu dem eine Ausstellung gehört, soll in Einrichtungen der Kirche zu Lehr- und Forschungszwecken gezeigt werden. Die Ex-Heimkinder Hasper und Schreyer haben dazu am Montag einen Vorschlag gemacht: „Wir können selbst in Schulen oder Universitäten gehen und dort berichten, was geschehen ist.“ Kirchensprecher Rahn zeigt sich diesem Vorschlag gegenüber aufgeschlossen.

Der Film kann für zehn Euro unter
unsere.ekhn.de DVD erworben werden.

Peter Hanack

Redakteur, Frankfurt & Rhein-Main
Zum Profil des Autors [ @ http://www.fr.de/autor.=pgh/ ]

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Lesen Sie dazu

Heimkinder in Hessen

Zu Forschungszwecken gequält

Hephata-Chefarzt Enke missbrauchte Heimkinder für unnötige Gehirnuntersuchungen. Der Vorstand bittet dafür um Entschuldigung.
[ Siehe @
http://www.fr.de/rhein-main/heimkinder-in-hessen-zu-forschungszwecken-gequaelt-a-1532229 ]

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